Bußtag am 22. November

Herbstzeit, Zeit, auch in die ein Feiertag der anderen Art fällt: »Buß- und Bett-Tag« – »Putz- und Fegtag«. Ich meine fast, seit der Feiertag als staatlicher Feiertag abgeschafft ist, hört man diese Spottbezeichnungen nicht mehr so oft.

Der Feiertag ist wieder mehr zum Bußtag geworden. Er hat etwas von seiner Unverständlichkeit verloren, weil ihn eh nur noch die feiern, die ihm etwas abgewinnen können.

»Das ganze Leben des Christen soll eine einzige Buße sein.« So beginnt Martin Luthers Kirchenpost an die Wittenberger vom 31.10.1517.

Was ist Buße?

Zu Martin Luthers Zeiten verstand man ähnliches darunter, wie vielleicht heute auch wieder: eine Ersatzleistung des Menschen. Wo Buße nötig ist, da braucht man einen Lückenbüßer, damit sie möglich wird. Ist das getan, dann ist Buße geleistet. Und dazu hat man die verschiedensten Bräuche gehabt. Ein Büßerhemd sich angezogen zum Beispiel.

Die Bußbräuche heute sind ein bisschen anders geworden, aber ebenso noch eine Leistung, die Menschen vollbringen, die den Eindruck haben, büßen zu müssen. Wer sich nicht anschnallt, muss ein Bußgeld zahlen. Und bei anderen Delikten büßen die Zeitgenossen auf ihre Art.

Die Beichte, die spielt fast keine Rolle mehr. Und das nicht nur bei den Evangelischen. In Witzen, da lebt sie noch. So wie bei dem von jener Metzgersfrau, die ihrem Mann sagt: ich geh beichten. Und der Mann antwortet. Ja, gut, aber erzähl nichts vom Geschäft (und unseren überhöhten Preisen). Der Pfarrer ist einer unserer besten Kunden.

Dennoch fällt die Beichte in unserer Postmoderne nicht aus. Nur dass diese Beichtstühle nicht mehr nur in katholischen Kirchen stehen, sondern in den Wohnzimmern und Fernsehstudios der Nachmittagstalks. Da wird gebeichtet, was das Zeug hält und dass die Balken biegen. Und immer diese seltsame Mischung: Auf der einen Seite bitte möglichst ausgeflippt und damit interessant – aber auf der anderen Seite auch ein Stück am Pranger der Massenmedien: Mann, hat der das Beichten nötig! Zum Glück bin ich nicht so wie die!

Sicher, bei dieser Beichte geschieht keine Buße. Es wird eher Scheinbetroffenheit gefeiert, Bußunfähigkeit kultiviert. Und doch ist die Sehnsucht nach Veränderung greifbar, die aber keine Ziele kennt.
Was ist dann echte Buße?

Der Apostel Paulus sagt es in Römer 2,4 so: »Weißt Du nicht, dass Gottes Güte Dich zur Buße leitet?«
Buße, so sagt Paulus, ist Umkehr, Sinnesänderung, 180-Grad-Wandel. Der Weg jedes Menschen ist von Haus aus der von Gott weg. Dazu braucht man gar nicht mehr extra was tun. Ja, selbst beim Gegensteuern wollen bleibt die falsche Richtung einfach da: weg von Gott.

Doch jetzt ist Buße keine Drohung, sondern eine großartige Notwendigkeit. Ein, wie Martin Luther einmal sagte, »fröhliches Geschäft«. Gottes gütiger Aufruf zur Umkehr zu ihm ist nicht Schikane. Sondern Rettung. Gott ruft zur Umkehr. Er schenkt sie. Was für eine Chance. Die kann man nur nützen! Und ein erstes Gebet sprechen, sich neu in Gottes offene Arme innerlich fallen lassen.

Dazu ist Zeit und Gelegenheit im Spätherbst, am Buß- und Bettag – aber eigentlich jeden Tag.

Ihr Dekan Ralf Albrecht, Nagold

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Parallel entstand eine projekteigene Website: www.luther-im-schwarzwald.de. Hier finden sich neben den Interviewtexten einige Video- und Audiobeiträge sowie die 95 Thesen Martin Luthers in der Sprache von heute. Schauen Sie rein! Es gibt auch eine Bestellmöglichkeit für das Buch.

Als Partner für die Umsetzung des Projekts und mit einer Förderung aus dem Fonds zum Reformationsjubiläum der Evangelischen Landeskirche in Württemberg konnten wir die SRH Hochschule Heidelberg (Campus Calw) gewinnen.

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