Vom Sinn des Fastens

»Und die Jünger des Johannes und die Pharisäer fasteten viel; und es kamen einige, die sprachen zu ihm: Warum fasten die Jünger des Johannes und die Jünger der Pharisäer, und deine Jünger fasten nicht?
Und Jesus sprach zu ihnen: Wie können die Hochzeitsgäste fasten, während der Bräutigam bei ihnen ist? Solange der Bräutigam bei ihnen ist, können sie nicht fasten.
Es wird aber die Zeit kommen, dass der Bräutigam von ihnen genommen wird; dann werden sie fasten, an jenem Tage.
Niemand flickt einen Lappen von neuem Tuch auf ein altes Kleid; sonst reißt der neue Lappen vom alten ab, und der Riss wird ärger.
Und niemand füllt neuen Wein in alte Schläuche; sonst zerreißt der Wein die Schläuche, und der Wein ist verloren und die Schläuche auch; sondern man soll neuen Wein in neue Schläuche füllen.«

(Markus 2,18-22)
 
Was sollen Christen denn? Fasten? Festen? Beides, und wann?

Klar ist zunächst einmal, dass die Fastenzeit ohne die kirchliche Tradition undenkbar ist – Fastnacht. »Karneval«. Dem Fleisch lebewohl sagen, das steckt schon da drin. Fasten. Interessant, dass dies dort hin gewandert ist, wo dies gerade nicht unbedingt DIE Rolle spielt. »Fünfte Jahreszeit« hat genau diesen religiösen Hintergrund und ist durchaus wörtlich zu nehmen: Mit Fastnacht war ursprünglich nur der Abend vor dem Beginn der vorösterlichen Fastenzeit gemeint, an dem der Fastentrunk ausgeschenkt wurde, der den Abschied von üppigen Mahlzeiten und Festen mit Musik und Spielen symbolisierte. Später wurde diese allein auf den Dienstag vor Aschermittwoch gemünzte Bezeichnung dann auf die ganze närrische Zeit übertragen.

Aber auch wenn dies ganz und gar kein Fasten ist: die Fastenzeit lebt. Kürzer treten, Pfundsfit, Modelfigur. Wo man nicht konzentriert fastet, da schleppt man dies als Lebensthema unterschwellig ständig mit. Wir werden das Fasten nicht los.
 
Fasten?

Diese Frage hat auch schon die Leute zur Zeit Jesu bewegt.

Nach dem AT musste man an einem einzigen Tag im Jahr »fasten«, und zwar am Großen Versöhnungstag (3. Mo 16,29ff.). Jedoch hatte sich das Fasten nach der babylonischen Gefangenschaft Israels mehr und mehr zu einer allgemeinen Sitte entwickelt, sicherlich als Ausdruck der Trauer über die vorausgegangenen Sünden Israels. Aus der ntl. Zeit wissen wir, dass zumindest die »Pharisäer« zweimal in der Woche gefastet haben (Lk 18,12). Die Fastentage der »Pharisäer« waren übrigens Montag und Donnerstag. Auch hören wir, dass die Jünger des (Täufers) Johannes ebenfalls regelmäßig fasteten.

Kein Wunder, wenn man den Johannes den Täufer selbst anschaut – die Fastengestalt des NT: Heuschrecken und Honig – dazu Kamelhaarmantel. Aber – und das ist entscheidend: Fasten war für Johannes nur aus einem Grund eine Lebenshaltung: er wollte die Umkehr zu Gott! Deshalb fasten.
Auf den Messias wartende Gruppen scheinen noch öfter gefastet zu haben. Da erzählt Lukas von einem Simeon und einer Hanna, die im Tempel auf den kommenden Messias warten, immer wieder mit Fasten. (Lk 2,37).

Was gilt für die Christen heute?

1) Es gibt kein Gesetz mehr, das uns zum Fasten zwingt. Alles christliche Fasten ist freiwillig.

2) Fasten bleibt aber eine Hilfe zur Konzentration im Gebet und Glauben.

Jesus sagt es so: »Es wird aber die Zeit kommen, dass der Bräutigam von ihnen genommen wird; dann werden sie fasten, an jenem Tage.«
Damit spielt er bereits auf seinen Tod an, auf seinen Weg am Kreuz.
Der Bräutigam wird einmal weggenommen werden. Seine Liebesgeschichte mit seinen Nachfolgern hat vordergründig kein Happy-End. Er stirbt – ja in Wahrheit liebt er sie so sehr als ihr Bräutigam, dass er für ihre Sünden stirbt und sie so ganz neu macht vor Gott.

Und aus Dank darüber und in Besinnung darauf werden sie fasten.
Nicht als Muss. Erst recht nicht als Weg zu Gott vom Menschen aus. Aber als Hilfe und Anleitung zur Besinnung.

Viele von Ihnen kennen die Aktionen: »Sieben Wochen ohne«. Aktion »Lohnender Verzicht«. Ich will sie Ihnen heute einmal jedem von Ihnen bewusst empfehlen. Überlegen Sie, wo und wie Sie mitmachen können. Wo faste ich? Auf was verzichte ich?

Aber bedenken Sie eines: Damit wird die kommende Zeit viel mehr als eine Selbstprüfung sein. Sie fragen sicher zunächst: Halte ich es ohne das eine oder andere aus? Kann ich verzichten?

Doch Fasten geht tiefer: Es soll in dieser Zeit eine Hilfe sein, sich auf das Wesentlichere mehr zu besinnen.
Wir feiern Jesus. Und fasten dann auch mal. Nicht als Muss, nicht als Verdienst. Aus Dank. Konkret. Auch ein Fest, trotz aller Mühe. Sie lohnt sich.

Fasten heißt damit nicht mehr allein verzichten: »Sieben Wochen ohne«.
Sondern: Zeiten »mit«. In den kommenden Wochen haben Sie dazu Gelegenheit. MIT zu leben. Mit der Begegnung mit diesem lebendigen Gott.

Denn wenn wir fasten, dann konzentrieren wir uns auf das und den, was und wer für uns wesentlich ist.

Ihr Dekan Ralf Albrecht

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