Wenn einer eine Reise tut …

Aber der Engel des Herrn redete zu Philippus und sprach: Steh auf und geh nach Süden auf die Straße, die von Jerusalem nach Gaza hinabführt und öde ist. Und er stand auf und ging hin. Und siehe, ein Mann aus Äthiopien, ein Kämmerer und Mächtiger am Hof der Kandake, der Königin von Äthiopien, welcher ihren ganzen Schatz verwaltete, der war nach Jerusalem gekommen, um anzubeten.

Nun zog er wieder heim und saß auf seinem Wagen und las den Propheten Jesaja. Der Geist aber sprach zu Philippus: Geh hin und halte dich zu diesem Wagen! Da lief Philippus hin und hörte, dass er den Propheten Jesaja las, und fragte: Verstehst du auch, was du liest? Er aber sprach: Wie kann ich, wenn mich nicht jemand anleitet? Und er bat Philippus, aufzusteigen und sich zu ihm zu setzen.

Der Inhalt aber der Schrift, die er las, war dieser (Jesaja 53,7-8): »Wie ein Schaf, das zur Schlachtung geführt wird, und wie ein Lamm, das vor seinem Scherer verstummt, so tut er seinen Mund nicht auf.
In seiner Erniedrigung wurde sein Urteil aufgehoben. Wer kann seine Nachkommen aufzählen? Denn sein Leben wird von der Erde weggenommen.«

Da antwortete der Kämmerer dem Philippus und sprach: Ich bitte dich, von wem redet der Prophet das, von sich selber oder von jemand anderem? Philippus aber tat seinen Mund auf und fing mit diesem Wort der Schrift an und predigte ihm das Evangelium von Jesus.

Und als sie auf der Straße dahinfuhren, kamen sie an ein Wasser. Da sprach der Kämmerer: Siehe, da ist Wasser; was hindert's, dass ich mich taufen lasse? Und er ließ den Wagen halten und beide stiegen in das Wasser hinab, Philippus und der Kämmerer, und er taufte ihn. Als sie aber aus dem Wasser heraufstiegen, entrückte der Geist des Herrn den Philippus und der Kämmerer sah ihn nicht mehr; er zog aber seine Straße fröhlich. (Apostelgeschichte 8,26–39)
 
Sommerzeit, Reisezeit.

Zeit für ganz neue Erfahrungen. Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen.

So wohl zum einen der Finanzminister aus Äthiopien. Weit, weit kommt er her nach Jerusalem. Wahnsinnige Strapazen hat er dafür auf sich genommen. Und dann muss er erfahren: Ausländer, kein Zutritt zum Heiligtum. Eunuch, geschlossene Tür zum Tempel. Finanzmagnat, viel Geld, aber kein Weg in die Gegenwart Gottes. Und enttäuscht macht er sich auf den Heimweg. Geschlossene Türen.

Und auch Philippus hat eine Reise vor sich. Er kriegt kaum die Tür zu, als er den Auftrag Gottes vernimmt: Mitten am Mittag, in der Bullenhitze des Tages, auf eine einsame Straße zwischen Jerusalem und Gaza. Und kein Deut mehr. Als er dann dort steht, ein äthiopischer Planwagen. Was gibt es von dieser Reise zu erzählen – und von unseren Urlaubsreisen?
 
1. Auf den Wagen!
Was so abenteuerlich beginnt, entwickelt sich durch Gottes Gnade. Der Finanzminister ist auf Philippus vorbereitet. Gott hat schon eine Geschichte mit ihm geschrieben. Es war, wie bei Philippus bisher, die Geschichte von verschlossenen Türen. Aber diese beiden Geschichten werden jetzt von Gott zu einem Abenteuer zusammengewoben.

Eine Schriftrolle hat sich der Finanzminister gekauft. Gut, Geld hatte er ja. Aber das war nicht gerade ein Sonderangebot, das er da erstanden hatte. Sondern hier ging es um eine absolute Kostbarkeit. Der gesamt alttestamentliche Prophet Jesaja, 66 Kapitel lang, ganz von Hand abgeschrieben, auf wertvolles Pergament, in eine Rolle aufgewickelt. Daran kann Philippus anknüpfen. Gott hat schon ganze Vorarbeit geleistet.

Jesus bahnt den Weg. Jesus schickt uns auf den Weg. Jesus will uns mit auf dem Wagen haben. Jesus gibt gelegene Zeiten. Jesus schenkt Freude auf dem Weg.

Da gehören wir also hin. Auf den Wagen. Und mit dem Vertrauen: Jesus hat alles vorbereitet. Sicher, da gehören die Leute auch immer wieder hin: in dieses Haus. Fest gebaut. Gut erreichbar. Türen offen. Einladend.

Aber erst recht heute Morgen entdecken wir wieder, dass das nicht alles an Gemeinde ist. Hoch auf den Wagen mit den Leuten – das ist der Ruf. Und sich dann wundern, was passiert. Einfach Gott zutrauen, dass er Maßarbeit macht.

Ich bin immer wieder erstaunt, wie passgenau Gott Maßarbeit leistet im Leben von Menschen. Da erinnern sie sich auf einmal bei einem Geburtstag und einem geschenkten Bibelwort, vielleicht nach Jahren, wieder an ein Stück Glauben. Und Gott knüpft wieder daran an.

Da kommen manche Fragen wieder hoch, wenn die Kinder in den Kindergottesdienst gehen und man als Eltern wieder mitkommt in den Familiengottesdienst. Neue offene Türen. Gott öffnet diese Türen immer wieder.

Hoch auf den Wagen – los. Das war im Prinzip die Grundbotschaft einer Visitation. Schaut genau hin, was Ihr hier an Auftrag habt, wo Ihr hier seid am Ort, mit wem in Beziehung, was verbindet Euch mit anderen in der Gegend.

Und dann hoch auf den Wagen, und weg von den Vorurteilen: Vorurteile lähmen den Blick für einen mutigen Sprung auf den Wagen. Beispiele gefällig?

- In der Jugendarbeit ist es immer mühsam.

- In den Gottesdienst geht man nicht.

- Jeder trifft sich – und bleibt – in einem ganz kleinen Kreis.

- Alle, die »mehr« suchen, gehen in Freikirchen in der Umgegend, wo mehr abgeht …

Quatsch. Auf den Wagen! Denn Gott ruft, und hat schon alles vorbereitet – Ihr werdet sehen.

Er wirkt, oft ganz unerkannt, aber immer präsent, mehr als präsent:

Eine Mäusefamilie mit zahlreichen Nachkommen wohnte seit langer Zeit in einem großen Klavier. Ihre Welt war häufig erfüllt mit wunderbarer Klaviermusik. Die Mäuse liebten die Musik und dachten gern und oft an den unsichtbaren und geheimnisvollen Klavierspieler. Eines Tages machte sich eine besonders wagemutige Maus auf und erklomm die höher gelegenen Teile des Klaviers. Gedankenversunken kehrte sie vom Ausflug zurück. Sie hatte das Geheimnis entdeckt: Gespannte Metalldrähte verschiedener Längen vibrierten und ließen so die Töne entstehen. Keine ernst zu nehmende Maus konnte jetzt noch an den unsichtbaren Klavierspieler glauben. Später sorgte eine andere Forschermaus für weitere Erklärungen. Jetzt waren kleine Hämmerchen das Geheimnis. Die Hämmerchen tanzten und sprangen auf den Metalldrähten. Diese Theorie zeigte endgültig, dass es sich bei dem unsichtbaren Klavierspieler  nur um eine Figur aus dem Märchen handeln konnte. Aber der Klavierspieler machte weiterhin seine wunderbare Musik…

Gott lenkt. Gott öffnet Türen und Situationen. Er schickt uns auf den Wagen. Er will ja, dass wir uns mit ihm neu beschäftigen.
 
2. Mit der Bibel

»Verstehst Du auch, was Du liest?« So fragt Philippus. Und ich weiß nicht, wie viele Leute auch heute darauf warten, dass ihnen jemand erklärt, was die Worte der Bibel bedeuten. Es sind Leute gesucht, die den Weg zeigen. Die nicht Antworten auf Fragen geben, die keiner stellt. Die aber dann da sind, wenn Fragen auftauchen. Und die tauchen auf. Die tauchen auf an der offenen Bibel.

Deshalb brauchen wir die offene Bibel als Kennzeichen unserer Gemeinde. Wir brauchen sie aufgeschlagen in unseren Wohnungen. Auf dem Nachtisch vor dem Schlafengehen. Zu bestimmten Stunden gemeinsam in der Ehe. Morgens mit zwei Worten aus dem Alten und Neuen Testament im Losungsbuch. Nach und nach über die Jahre durch die Kernworte der Bibel mit dem Neukirchener Kalender oder »Termine mit Gott« … oder.

Im Kirchenchor und Posaunenchor bei der Schlussandacht. Die Bibel gehört mit auf den Gemeinde- und Lebenswagen.

Dann werden Fragen auftauchen. Jede Menge Fragen. Und die Frage: habe ich jemand, mit dem ich diese Fragen durchgehen kann. Der etwas von der Bibel versteht. Jemand, der mir die Tür zur Bibel aufmacht.

Deswegen muss ich noch mal sagen, wie schön dieses eine Projekt war und ist und bleibt – die Kinderbibel.
Kreativ, auf den Wagen mit den Leuten, klar. Aber eben mehr. Die Bibel ist es! Damit haben sie sich beschäftigt. Alle, die eine Geschichte geschrieben und gemalt und miteinander verteilt und zusammen gestellt haben – und jetzt kommt es: Dritter Schritt. Es geht weiter. Diese Bibel geht auf Reisen. Sie kommt, jetzt fertig und längst durch, noch einmal auf die Leute zu. So funktioniert es.
 
3. Und einer Frage

Der Finanzminister hat Philippus. Und der öffnet ihm die Tür zur Bibel. Diese Tür heißt Jesus. Philippus erzählt vom Leben Jesu und von seinem Tod am Kreuz aus Liebe, der alles, was uns von Gott trennt, aufgehoben hat.

Und dann kommt die entscheidende Frage. Und die haben wir als Christen, als Kirche immer wieder zu stellen: »Was hindert's?« Was hält jetzt noch ab von dem Schritt durch die offene Tür zu Jesus?
In unserer Kirche halten viele Mission nicht für etwas Legitimes, sondern sehen es als eine Art Hausfriedensbruch bei anderen Menschen, die auch ihre religiösen Überzeugungen haben. Aber es ist ganz anders – es ist die entscheidende Lebensfrage.

Interessant: diese Frage stellt nicht Philippus drängend und zwingend. Sondern die stellt der Äthiopier selbst. Das ist großartig, wenn diese offene Frage sich in einem Leben stellt und dann gerne mit »ja« beantwortet wird. Bei dem Äthiopier damals wurde sie beantwortet, dass er, von ganz außen kommend, getauft wurde.
 
Auf einer Reise kann also manches passieren – und zu erzählen gibt es dann erst recht viel – mal sehen, welche Geschichte wir von unserer nächsten Reise mitbringen.

Gesegnete Sommerzeit!

Dekan Ralf Albrecht

Nagold und Calw schließen sich zusammen

Fusion der beiden Ev. Kirchenbezirke in den Bezirkssynoden beschlossen / Startpunkt evtl. schon Anfang 2019

Über zwei Jahre wurde verhandelt, nun haben die beiden Ev. Kirchenbezirke Calw und Nagold in getrennten Kirchenbezirkssynoden jeweils beschlossen: die Fusion kommt.

Die Kirchenbezirke Calw und Nagold haben den Zusammenschluss eingeleitet. In den Bezirkssynoden am vergangenen Wochenende wurde jeweils mit Mehrheit dem Vorschlag zugestimmt, eine Fusion der Bezirke vorzunehmen und die Gründung eines neuen Kirchenbezirks „Calw-Nagold“ voranzutreiben.
Auslösende Gesichtspunkte für die Entscheidung waren in den Synoden die Herausforderung des demografischen Wandels und der Wille, stärker gemeinsame Strukturen der Zukunft innovativ, früh und selbstbestimmt zu gestalten.

In lebhaften, konstruktiven Diskussionen der Bezirkssynoden wurde von den Befürwortern dazu auf die vielen Synergieeffekte verwiesen, die eine solche neue gemeinsame Struktur bringe. Jetzt sei es an der Zeit, die intensive Zusammenarbeit der beiden Bezirke auf die nächste Stufe zu heben. Gegner der Fusion führten vor allem ins Feld, dass die Zeit jetzt noch nicht reif sei. Beide Bezirke seien in sich stabil und lebensfähig – eine Fusion zum jetzigen Zeitpunkt komme zu früh.

Die Mehrheit konnte sich diesen Argumenten nicht anschließen – es wurde vor allem auf den Mut verwiesen, hier und heute zu beginnen kirchliche Strukturen so aufzustellen, dass sie langfristig lebbar sind. Dazu die beiden Dekane Albrecht und Hartmann: Wir wollen in guten Zeiten proaktiv tätig werden, damit wir, wenn schwierigere Jahre kommen, dann nicht nur reagieren können.

Allen war klar, dass sie eine Entscheidung treffen, die hohe Auswirkungen und historisches Ausmaß haben wird. Entsprechend engagiert wurde diskutiert, entsprechend kontrovers wurde argumentiert.
Und am Ende stand in beiden Synoden die Mehrheit: die Fusion kommt. Und mit ihr ein neuer Kirchenbezirk: Calw-Nagold.

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